Ein Korsett bedeutet eine ganzschöne Umstellung für den Alltag. Dinge, die sonst selbstverständlich waren, müssen nun anders ablaufen. Egal ob du ein Korsett- Neuling oder Profi bist. Mit diesen Tipps erspare ich dir hoffentlich so einige Frustration. Und wenn du selber noch weitere Tipps kennst, lass es uns wissen!
Wie komme ich an das richtige Skoliose Korsett?
Bevor dir meine Tipps helfen können muss natürlich ein Korsett her. Da ist es nur wichtig: Informiere dich, bevor du loslegst! Mache nicht den Fehler, einfach ins nächstbeste Sanitätshaus zu stürmen und ein Korsett anfertigen zu lassen. Wichtig ist, dass das Korsett wirklich gut sitzt, damit es optimal wirkt und du es ohne große Probleme tragen kannst. Deswegen muss es von jemandem gebaut werden, der sich damit richtig gut auskennt, denn nur so erzielst du am Ende auch ein Top-Ergebnis! Hier findest du eine kurze Zusammenfassung unserer besten Tipps. Vielleicht stehtst du aber gerade noch ganz am Anfang deiner Korsett-Reise. Ist dies der Fall stellt man sich häufig die Frage, warum überhaupt ein Korsett sein muss? Ist dies der Fall, wird dir bestimmt zusätzlich zu diesem unserer Blogartikel „Skoliose Korsett… Was jetzt?“ helfen! 🙂
Sprich deinen behandelnden Arzt oder Therapeuten an
Diese können dich über erste Optionen informieren. Wobei nicht immer das nächste Sanitätshaus das Beste ist. Und manchmal, wird es ganz seltsam, wenn Ärzte und Techniker so eng miteinander arbeiten, dass nur noch diese Möglichkeit, an ein Korsett zu kommen akzeptiert wird. Ich selbst hatte zu Beginn so ein seltsames Erlebnis.
Wenn du schon online bist, lass Social Media dir helfen
Dort gibt es viele, die ihre Erfahrung offen teilen. Egal ob auf Instagram, Facebook oder auf diversen Blogs. Alternativ gibt es auch Chat-Gruppen, die extra für Skoliose Tipps und Tricks existieren. Bis das Korsett fertig ist, vergehen oft noch ein paar Wochen. Nutze diese Zeit und lerne andere Betroffene kennen. Glaub mir, gemeinsam fühlt sich der Start ins „Korsett-Leben“ gleich viel leichter an!
Die Eingewöhnungszeit im Korsett
Übergabetermin ist geschafft, dass Korsett ist endlich da. Dann kommt das, was in der Regel die größte Hürde darstellt: die Eingewöhnungszeit. In dieser Phase geht es darum, sich an das Korsett-Tragen zu gewöhnen und so schnell wie möglich auf die verschriebene Tragezeit zu kommen. Ich habe ein paar Tipps für dich zusammengetragen, die mir selbst in dieser Zeit sehr geholfen haben:
Nicht direkt nach dem Abholen im Auto anziehen!
Anfangs ist die Motivation noch groß. Aber immer langsam! Gerade im Sitzen (und somit auch während Autofahrten) sorgt das Anlehnen für zusätzliche Belastung auf Druckstellen. Deswegen lieber erst zu Hause starten.
Mal schmerzt es… dann direkt ausziehen?
Dein Körper muss sich an das Korsett gewöhnen. Da ist es ganz normal, wenn es Anfangs manchmal etwas schmerzt. Versuch erstmal, das Korsett etwas lockerer zu machen, statt es direkt auszuziehen. Häufig reicht das schon, um die Beschwerden zu lindern. Schon klar, manchmal wird es einfach zu viel. Wird es so unangenehm, dass sogar lockerer stellen nichts bringt, gönn dir eine kurze Auszeit. Am besten stellst du dir einen Wecker, denn sonst wird aus einer kurzen Pause sonst ganz fix ein ganzer Nachmittag ohne Korsett. Und das ist doof, denn dann beginnt die Eingewöhnungszeit quasi von vorne!
Schlafen im Korsett
Versuch so bald wie möglich, auch nachts das Korsett zu tragen. Einige Korsett-Träger berichten, dass ihnen das Schlafen im Korsett super leicht fiel, während andere ihre Probleme hatten. Am besten ist es also, wenn am nächsten Tag nichts Wichtiges in der Schule ansteht, für das du total ausgeschlafen sein musst. Oder du liest einfach weiter, denn später gibt es noch ein paar Tipps, extra für einen guten Schlaf. 😉
Schule kommt zuletzt
Erst, wenn du dich richtig an das Korsett gewöhnt hast, nimmst du es mit in die Schule. Wie zuvor schon gesagt ist gerade das lange sitzen mit Korsett manchmal ein Problem. Und außerdem gibt es in der Schule nur wenig Möglichkeiten zum An- und Ausziehen oder für längere Pausen. Dazu kommt später noch mehr!
Und keine Panik,
wenn sich das Korsett Anfangs unter der Achsel zu hoch anfühlt und somit die Schultern etwas schief wirken. Das soll tatsächlich so! Denk mal drüber nach, je mehr du wächst, desto größer wirst du. Dementsprechend wächst sich das (ganz wortwörtlich!) nach ein paar Wochen aus, damit das Korsett nicht gleich zu klein wird.
Achtung: Trotzdem ist Vorsicht geboten! Blau werden oder Taubheitsgefühle in den Armen gehen gar nicht! In diesem Fall solltest du dich direkt bei deinem Orthopädietechniker melden, denn dann muss was angepasst werden.
Korsett-Tragezeit- Wie viele Stunden braucht’s wirklich?
Viele denken noch an die „legendären“ 23 Stunden pro Tag. Studien zeigen aber, dass der Effekt ab 20 Stunden am Tag nicht unbedingt viel mehr zunimmt. Klingt erstmal entspannter, aber Vorsicht! Schon ein einziger Nachmittag am See kann deine wöchentliche Tragedauer ordentlich durcheinanderwürfeln! Nutze also nicht jede Gelegenheit für eine Extra-Pause, sondern halte dich an die abgesprochenen Zeiten.
Was ich dir unbedingt empfehlen kann: Führe ein Korsett-Tagebuch, um den Überblick zu behalten. Notiere dort täglich deine Tragezeit und Pausen. Mittlerweile gibt es sogar Sensoren, die deine Tragezeiten messen – aber mir persönlich reicht immer noch mein kleines Notizbuch (Katja schwört auf die Technik, ich bin da eher altmodisch, also Stift und Papier). Und was die Tragezeit angeht, ganz wichtig: Lass immer dein Behandlungsteam entscheiden, ob du Teilzeit oder Vollzeit tragen sollst. Niemals solltest du eigenmächtig deine Tragezeit entscheiden!
Im Korsett den Schulalltag meistern
Der Gedanke, das Korsett in der Schule zu tragen, sorgt bei vielen für Bauchgrummeln. Klar, keiner will unangenehm auffallen, und die Stühle sind schon ohne Korsett eine Katastrophe. Fakt ist aber, dass du wahrscheinlich die meiste Zeit deines Tages in der Schule verbringst. Trägst du es nun nicht in der Schule verpasst du zu viel Tragezeit, die du zu Hause nie mehr aufholen kannst. Und was die Angst vor Mitschülern angeht, hilft meiner Erfahrung nach einfach offen mit dem Korsett umzugehen. Betrachte das Ganze doch mal so: Wenn jemand einen Gips trägt, wird auch erst viel gefragt. Und nach einer Weile ist es kaum noch Thema. Bei mir war es sogar ähnlich wie bei einem Gips so, dass meine Mitschüler sogar auf meinem Korsett unterschrieben haben. Also, Mut zusammennehmen und das Thema offen angehen. Die Vorstellung ist meistens schlimmer als die Realität.
Wenn der Alltag plötzlich anders läuft
Mit der Zeit wird das Korsett einfach Teil des Alltags, vielleicht vergisst du sogar manchmal, dass du es überhaupt trägst… und genau das ist die größte Gefahr! Denn das Korsett ersetzt nicht deine eigene Aktivität. Du musst trotzdem bewusst auf deine Haltung achten und in die richtigen Bereiche atmen. Also, nicht einfach reinhängen lassen, denn das Korsett ist nur ein Hilfsmittel, nicht die alleinige Lösung! Neben der Haltung im Alltag gibt es noch andere Momente, auf die du Einfluss nehmen kannst. Denk mal an das in die Hocke gehen, Dinge aus hohen Regalen greifen (zu dieser Bewegung zählen auch bspw. das Aufzeigen in der Schule) oder das entspannte Stehen auf einem Bein. Gerade solche Dinge kannst du gut mit deinem Therapeuten besprechen, denn sie können dir beibringen, wie man am Rücken freundlichsten handelt.
Täglich neue Herausforderungen, die DU individuell meistern musst!
Neben deiner Haltung gibt es noch weitere Dinge, die im Alltag mit Korsett anders ablaufen müssen. Du wirst relativ schnell feststellen, dass so manche Situationen etwas mehr Kreativität bedürfen als sonst. Das Schuhe zubinden z.B. wird auf einmal eine ganz schöne Herausforderung (Tipp: Schuhanzieher, alles andere ist Frustration pur!). Aber auch hier gilt: Manches klappt trotz aller Tipps einfach besser, wenn du das Korsett für einen kurzen Moment ablegst (z.B. beim Toilettengang). Wichtig ist, dass du herausfindest, wie du individuell für dich mit diesen Situationen am besten umgehst.
Korsett und Sommer- Cool bleiben bei Hitze
Ja, es wird heiß unter so viel Plastik. Besonders wenn man bedenkt, dass unter dem Korsett noch das passende Korsetthemd getragen wird. Wir haben mal ein paar andere Korsett-Profis gefragt, wie sie es durch die heiße Zeit schaffen. Dabei sind echt hilfreiche, sowie auch so manche … naja … „interessante“ Dinge zusammengetragen worden:
Eiskalte Korsetthemden?!
Klingt verrückt, oder? Tatsächlich haben die jedoch einige Leute genannt. Einfach das Korsetthemd für eine kurze Zeit in den Kühlschrank oder das Gefrierfach legen, dann anziehen und voilà! Schön erfrischend!
Kleine Hand-Ventilatoren für unterwegs
Vielleicht hast du so einen praktischen mini Hand-Ventilator schonmal gesehen. Meiner hat mir auf jeden Fall geholfen, den Sommer ohne Hitzeschlag zu überstehen. Alternativ geht natürlich auch ein ordinärer Fächer.
Frisch bleiben unterm Korsett- Korsetthemden wechseln!
Wie bereits gesagt, unter den ganzen Lagen an Plastik und Stoff wird es schnell hitzig. Deswegen ist es wichtig regelmäßig die Korsetthemden zu wechseln. Mindestens einmal am Tag ist ein Muss. Ein zusätzlicher Tipp eines Korsett-Profis: Sportunterwäsche! Die ist sinniger Weise atmungsaktiver und leitet so den Schweiß besser ab. Und natürlich muss auch dein Korsett ab und an gereinigt werden. Dazu einfach lauwarmes Wasser, ein bisschen Seife, gut abspülen und trocknen lassen. Bitte aber nicht zu häufig, da der Kleber, der die Polster befestigt sonst anfängt sich aufzulösen.
Pssst…Und wer weiß, vielleicht gibt es bald sogar wärmeleitfähige Korsette, die in Zukunft unsere Sommer erträglicher machen! (Wenn du schon am Handy sitzt, google doch einfach mal! 😉 )
Und natürlich nicht vergessen
Trinken, Trinken, Trinken!
Aua- Das Korsett tut weh!
Dein Korsett soll gewisse Stellen deines Rückens durch Druck korrigieren. Dementsprechend kann es sein, dass es an genau diesen Stellen zu Hautreizungen kommt. Diese sogenannten Druckstellen sind das wahrscheinlich nervigste Thema beim Korsett. Damit sie gar nicht erst zu einem großen Problem werden, kannst du vorbeugen!
Schütze deine Haut, Hände weg von diesen Cremes!
Gerade bei Hautreizungen greifen wir gerne nach Bepanthen & Co, um sie zu behandeln. Fakt ist aber, dass gerade diese Cremes die Haut nur noch weicher und unter ständigem Druck dementsprechend anfälliger für Verletzungen machen. Alternativ kannst du bei ersten Anzeichen einer Druckstelle (und am besten sogar schon im Voraus) nach etwas greifen, was sich PC 30 nennt. Dies ist ein Mittel, welches in Gel oder flüssiger Form kommt und dafür da ist ,die Haut zu stärken und somit widerstandsfähiger zu machen.
Was unter dem Korsett getragen wird zählt!
Manchmal liegt das Problem nicht bei den Druckstellen, sondern eher unter den Armen und an den Seiten deines Körpers. Dann solltest du überprüfen, ob du das richtige Korsetthemd trägst. Da das Korsett direkt an der Haut aufliegt, sollten deine Hemden eng sitzen und so wenig Nähte wie möglich haben. Ansonsten können Falten und Nähte ganz schön schnell scheuern!
Ansonsten gilt auch hier: Bei ersten Anzeichen Korsett kurz lockern oder im schlimmsten Fall ausziehen, um Luft an die Haut zu lassen. Die Haut, genau wie dein Rücken, muss sich erst an das neue Leben mit Korsett gewöhnen. Gib dir und deinem Körper ein bisschen Zeit und verliere nicht gleich die Motivation.
Mit dem Korsett um die Welt
Urlaub heißt nicht automatisch freie Zeit vom Korsett. Überlege dir also genau, wann du das Korsett auch mal beiseitelegen kannst. Duschen, Strand und Wasser – klar, da kann es mal weg (obwohl es tatsächlich Leute gibt, die mit Korsett schwimmen gehen. Da würde ich ganz erbärmlich untergehen…). Aber beim Chillen, Lesen oder Schlafen gehört es wieder dazu. Denn wir erinnern uns: Auch wenn du das Korsett sonst konsequent trägst, ein paar Stunden Pause verringern deine durchschnittliche Tragezeit um Welten.
Gute Nacht… aber mit Korsett!
Schlafen mit Korsett. Ein Thema, bei dem die Meinungen sich spalten. Einigen fällt es super einfach und sie schaffen es, sofort das Korsett auch Nachts durchzutragen. Andere hingegen tun sich schwer. Wenn du Angst hast, zu der zweiten Gruppe zu gehören, kann ich dir ein paar Tipps geben:
Erschaffe ein Kuschel-Paradies!
Anfangs kann es schwer sein, im Korsett eine bequeme Schlafposition zu finden. Da kann es helfen, dein Bett besonders weich mit Decken, Kissen, Kuscheltieren etc. auszulegen. Mein kleiner Pro-Tipp: Stillkissen! So doof es sich im ersten Moment auch anhört, diese langen Kissen sind wie ein Mond geformt und eignen sich deswegen super dazu sich rundherum abzupolstern. Falls du auf längere Dauer Probleme beim Schlafen hast, solltest du vielleicht zusätzlich über eine neue Matratze nachdenken. Wenn ich auch vor meinem Korsett gerne auf etwas härteren Matratzen geschlafen habe, ist mir mit Korsett eine weiche mittlerweile deutlich lieber. Wahrscheinlich einfach, weil der Druck während des Schlafens verringert wird.
Die Rückenlage als neue Lieblingsposition entdecken (Sorry, Seitenschläfer…)
Wenn man darüber nachdenkt, wird schnell klar, warum die Seitenschläferposition für viele mit Korsett nicht super angenehm ist. Meist drückt es nämlich schon so ganz schön unter den Armen und dann will man sich auch noch seitlich auf den Arm drauflegen? Da sind eingeschlafene Arme vorprogrammiert. Ich persönlich fand schlafen auf dem Bauch oder Rücken anfangs am besten, um genau dieses Problem zu umgehen. Und besonders die Bauchlage hat den Vorteil, dass man den Druck der Polster fast ganz vermeiden kann (Wenn du das mal ausprobierst, verstehst du vielleicht was ich meine). Was für dich am besten funktioniert wird sich aber früher oder später ganz von alleine zeigen.
Weniger ist mehr
Wie wir bereits festgestellt haben, kann es im Korsett schnell heiß werden. Beim Schlafen ist das natürlich nicht anders. Im Gegenteil, unter der Decke staut sich die Körperwärme nur noch mehr. Ich kann dir also garantieren, dass besonders während den heißeren Jahreszeiten kein extra Pyjama über dem Korsett nötig ist. Korsetthemd und Unterwäsche werden dein bester Freund sein. Und natürlich darf eine volle Wasserflasche neben dem Bett auch nicht fehlen.
Zu guter letzt… auf Disziplin in der Routine achten
Eins kann ich dir sagen, wenn du schon vorher keinen stabilen Schlafrhythmus hast wird das Korsett es dir nicht unbedingt leichter machen. Also versuche schon vorab eine angenehme Schlafroutine für dich zu finden. Das heißt natürlich auch jeden Tag zu selben Zeit ins Bett gehen. Denn dein Körper gewöhnt sich an den festen Ablauf und es wird dir auf Dauer leichter fallen Abends einzuschlafen. Somit wird es dir auch leichter fallen das Korsett in diese Routine mit einzubauen.

Nun bist du Experte für deinen Skoliose Alltag mit Korsett!
Es kann also losgehen für dich und dein Korsett. Zu guter Letzt will ich dir nur noch einmal vor Augen führen, wofür du das alles hier überhaupt machst. Das solltest du generell häufiger machen, denn dein Weg mit Korsett wird nicht immer linear verlaufen. Im Gegenteil, mache Tage läuft alles super und an anderen wiederum muss man sich wirklich überwinden durchzuhalten. Versuche dich in solchen Momenten einfach daran zu erinnern, dass das Korsett dein Freund und Helfer ist. Mit deiner Skoliose hast du eine ganz schöne Aufgabe zu bewältigen, die du dir nicht ausgesucht hast. Durch diese Zeit wird dein Korsett an deiner Seite stehen. Vielleicht macht es Sinn ihm oder ihr einen Namen zu geben, wenn ihr diesen Weg so oder so Hand in Hand beschreiten werdet. Und denk immer dran:
#skoliofit (und #korsett) – und du hast den #bogenraus
Viele Grüße
Hannah und Bracy
(So heißt zum Beispiel mein Korsett. Der Name kommt von dem englischen Begriff für Korsett, nämlich back brace. Irgendwie lustig wenn man bedenkt, dass brace übersetzt Zahnspange heißt. Macht aber irgendwo auch Sinn: eine Zahnspange für deinen Rücken!)